Das Gegenteil von Begeisterung

Heute morgen habe ich einen zweijährigen Generator im Frust-Modus erlebt. Das Kind meiner Nachbarn stand brüllend neben dem Kinderwagen, der Teddy lag ein paar Meter weiter auf der regennassen Straße. Keine Lust auf Kindergarten.

In Human Design-Sprache würde man sagen: Lieber Generator, wenn du kein „ja“ hast, dann ist das hier der falsche Weg. Dann hast du nämlich ein „nein“. Folge deiner Begeisterung, dann hast du Energie und alles wird gut.

Das hab ich jahrelang all meinen Generator-Klienten erzählt und fand das auch sehr vernünftig. Als oberschlauer Nicht-Generator.

Aber erzählen Sie das mal einem Zweijährigen. Der hat trotzdem Energie – das können sein Teddy und sein Vater in diesem Moment vollkommen bestätigen. Diese Energie sagt: Ich muss wegrennen. Ich muss was kaputtmachen. Ich muss schreien. Ich muss sinnlos im Kreis herumrennen. Ich muss jemanden hauen. Und zwar so lange, bis dieses unangenehme Gefühl des Nicht-Wollens, aber Müssens, abgebaut ist.

Dieser Frust ist nicht etwa still und leise und wartet, bis er von seinem Kumpel Begeisterung abgelöst wird. Zum Beispiel durch einen zufällig vorbeispazierenden Eisverkäufer (Na klar, morgens um 8 bei Regen im Frühherbst. Träum weiter.).

Nein. Er setzt genau so viel Energie frei. Nur das hier nicht konstruktiv gearbeitet, erbaut, erschaffen wird.

Mein eigenes Kind hat dazu mal gesagt: Ich kann einfach nicht liegenbleiben, wenn du mich ins Bett gebracht hast. Ich würde ja gern, aber es geht einfach nicht. Es fühlt sich so unangenehm an, da muss ich einfach wieder aufstehen und gucken, ob du noch da bist.

Jetzt mal eine gewagte Theorie: Was wäre wenn….

Was wäre, wenn wir diese unangenehme Energie nicht sofort in die Tat umsetzen würden? Ist es möglich, sie einfach nur wahrzunehmen? Ist es vielleicht sogar ein Zeichen von Evolution, wenn wir unangenehme Gefühle nicht sofort in eine Aktivität umsetzen? Also nicht ….. telefonieren, shoppen, putzen, zu schnell Auto fahren, den zig-sten Kaffee trinken, eine Zigarette rauchen oder jemanden finden, der uns nervt, und den wir dann anraunzen können?

Sind wir vielleicht deshalb immer so müde und erschhöpft? Weil wir die Frust-Energie umlenken in idiotische, zerstörerische und sinnlose Aktivitäten – statt sie wahrzunehmen, zu beobachten, zu spüren? Statt drauf zu kommen, was genau sich gerade unangenehm anfühlt. Und daraus etwas über zu lernen, das wir wirklich ändern können?

Zurück zum Zweijährigen meines Nachbarn: Bei ihm geht es darum, dass er zur falschen Zeit Lust auf Dinge hat, die gerade nicht möglich sind. Eisessen zum Frühstück, Sandmann gucken zum Mittagsschlaf, um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Das kenne ich sehr gut: Gerade will ich ein Paar 200-Euro-Schuhe von Hugo Boss, obwohl ich für ein neues Sofa spare, und die Kfz-Steuer bald fällig ist. Ich kann mich darüber wochenlang ärgern, kann die Schuhe bis zum Umfallen googlen und preisvergleichen, kann sie sogar bestellen und wieder zurückschicken. Ich kann mir ähnliche in der Billigversion kaufen, die dann natürlich doof aussehen und auch nicht richtig passen, die ich also auch wieder zurückschicken muss. Dabei trinke ich dann zu viel Kaffee, esse (da Nichtraucherin) zu viele Süßigkeiten und bin die ganze Zeit kribblig, schlechtlaunig und ganz schnell wütend.

Das heißt: all die Energie, die ich gerade habe, geht fürs Ärgern mit allen Randerscheinungen drauf.

Nach dem Kindergarten-Wutausbruch-Erlebnis heute früh habe ich mir mal eingestanden, wie gern ich diese Schuhe hätte. TOTAL GERN! JA! Und wie doof ich es finde, dass es grad nicht geht. MISTALTERVERDAMMTERDRECKSMIST!! Ich bin einmal durch die Wohnung getobt und habe laut geflucht und mich selbst bemitleidet (weil es natürlich nicht das erste Mal ist, dass ich mir einen 200-Euro-Spontankauf versage).

Und dann war es auf einmal gut.

Die Schuhe sind mir egal. Ich hab grad Lust, zu schreiben. Ein paar Klienten von mir anzurufen, um zu sehen, wie es ihnen geht. Ein bisschen Akquise zu machen.

Müssen dabei 200 Euro extra für die Schuhe rausspringen? Nö. Ist mir egal.

Und fühlt sich das besser an als vorher? Absolut.

Habe ich Energie? Jede Menge.

Mache ich damit etwas kaputt, nerve meine Umwelt oder überziehe mein Konto? Nein.

Welches blöde Gefühl auch immer euch gerade gepackt hält, ob es Frust, Wut, Langeweile, Lähmung oder Verbitterung ist: Hier versteckt eure Energie und eure Produktivität. Macht sie nicht durch Übersprungshandlungen kaputt, sondern nehmt einfach wahr, was ihr spürt, so lange, bis ihr wieder bei euch selbst angekommen seid.

Dann könnt ihr mit Sicherheit auch den nächsten Eisverkäufer wieder sehen.

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Den Falschen hassen

Unsere persönliche Geschichte ist eine einzige Fabrikation. „Wahr“ ist daran nur, dass wir sie glauben. Das Gehirn, Spezialist im nachträglichen Begradigen und plausibel machen, spinnt Erinnerungen zusammen zu Geschichten und verpackt das ganze Werk in einen spannenden Roman. Im Nachhinein klingt dann alles wie eine logische Folge von Ereignissen, die gradlinig ins heute geführt haben.

So gut ist unser Denken darin, dieses Bild immer wieder zu bestätigen, dass wir es selbst gar nicht merken. Erst, wenn wir etwas Überraschendes erfahren, gibt es einen Moment der Verwunderung: Was? Das hätte ich nie gedacht. Das passt gar nicht zu mir. Und bevor man noch richtig begriffen hat, was das bedeutet, strickt unser Verstand schon wieder eine Argumentationskette zusammen. Schwupps – integriert. Und wenn das gar nicht gehen will: schwupps – verdrängt. Oder als „vollkommen unmöglich“ abgetan und von der Festplatte gelöscht.

Wenn man sich mit der Auflösung von Mustern, Blockaden, Traumata beschäftigt, kommen bisweilen Dinge ans Licht, die bisher nicht Teil des „ich“ waren – solche,  die das System in einer Schrecksituation verdrängt hat.

Darin besteht eine echte Einladung, den eigenen Verstand kritisch (aber liebevoll) zu betrachten: da gibt er sich solche Mühe, und dann ist ihm doch was durch die Lappen gegangen. Dieser Moment der Überraschung ist wertvoll. Gibt man ihm Raum, sich zu entfalten, hat man ein kleines Zeitfenster, um sich und sein Selbstbild von außen anzuschauen. Und sich zu fragen: nanu. Wenn ich das bisher nicht war, wie richtig liege ich dann mit meiner restlichen Definition von „mir und meinem Leben“?

Ein guter Trick ist es auch, entfernte Verwandte und frühere Freunde nach gemeinsam erlebten Ereignissen zu befragen. Und dabei ganz wertfrei zuzuhören, mit der Bereitschaft, das eigene Selbstbild in Frage zu stellen.

Die Geschichte des eigenen Ich ist also eine Fantasieproduktion. Aber eine, an der das eigene System mit aller Macht festhält. Jedes Infragestellen bringt heftige Reaktionen, von Verleugnung, bis Gegenwehr/Widerstand, oder sogar den totalen Rückzug vom jeweiligen In-Frage-Steller. So wichtig ist der Erhalt des „Selbst“, dass ein Eindringen und Verändern mit allen Mitteln verhindert werden muss.

Entsprechend schwierig ist es, mit einer neuen Wissenschaft wie Human Design an dieser über viele Jahre errichteten Fassade zu kratzen. Man sagt, der Weg zum eigenen Design, die „Dekonditionierung“, würde 7 Jahre dauern.  Eben ein voller Zyklus der Zellerneuerung.

Meiner Erfahrung nach bedarf es vor allem eines Leidensdrucks. Ist alles in Ordnung, dann muss sowieso nichts geändert werden. Dann sind die das Selbst bestätigenden  Informationen schön, und die anderen unangenehm. Am besten sofort vergessen.

Die Vorstellung, das eigene Leben könnte absolut mühelos vonstatten gehen, widerspricht außerdem allem, was wir gelernt haben. Das Leben sei hart, man könne eben nicht alles haben, etc.etc.etc.

Ein Beispiel: Es gibt Menschen, die den Lebenskampf als Definition im Chart haben. Kurz: wenn kein Kampf stattfindet, dann fehlt die eigene Existenzberechtigung. Auch hier gibt es eine Mühelosigkeit: der Kampf wird zum Spiel, die Herausforderung ein spannendes Risiko. Der Kampf selbst ist nicht gegen, sondern für etwas. Und zwar etwas, wofür es sich aus Sicht dieses Menschen zu kämpfen lohnt. Nämlich etwas, das anschließend allen (= dem Kollektiv) zugute kommt.

Es ist leicht, diese Lebensgeschichte neu zu schreiben: Das ständige Gegen-etwas-Kämpfen, wird auf einmal die Liebe zur Herausforderung. Keine Verluste, nur Gewinne – weil Herausforderungen immer eine Entwicklung voranbringen.

Der „Entdecker“ von Human Design hat mal gesagt, wir würden den falschen hassen, wenn wir uns selbst nicht leiden können. Weil das, was wir glauben zu sein, meist eine Illusion ist. Die Frage ist nur: Wie weit kommen wir mit ihr? Und wann ist es an der Zeit, eine schönere Version von sich selbst anzunehmen?

Fehler und was man draus macht

Ich hasse Fehler. Ich versuche immer, alles ganz richtig und korrekt zu machen. Meine Familie ist eine Lehrer-Dynastie in 2. Generation, der Rotstift ist uns sozusagen in die Wiege gelegt worden. Wenig oder kein rot: gut bis sehr gut. Viel rot: ganz schlecht.

Leider habe ich ein 3er Profil (1/3, um genau zu sein). Das sieht man an den Zahlen hinter dem Punkt, die ganz oben unter „Design“ und „Personality“ stehen.

Wir sind Menschen, die per Versuch und Irrtum lernen. Also aus Fehlern. Weil meine 3 hinten steht (statt z.b. 3/5 oder 3/6), ist das bei mir eine unbewusste Eigenschaft.

Konkret sieht das so aus: ich bestelle Internet bei chello, oder Kabel Deutschland TV, oder das Vodafone TV-DSL-Festnetz-Paket. Und löse alle Fehler aus, die das System zu bieten hat: fehlende Netzabdeckung (in der Wiener Innenstadt, aber nur rund um meine Wohnung), fehlende Kabelanbindung (nachdem alles installiert worden ist), zwei (!) versehentliche Kündigungen, ausgelöst durch Vodafone selbst, natürlich irreversibel, komplett mit Abschaltung und jeweils 5 Wochen Wartezeit, bis das Ganze neu installiert ist. Allerdings habe ich dafür ein riesengroßes rotes Vodafone-Handtuch gekriegt. Ich will nicht meckern.

Ein anderes Beispiel: Rechnungen, die ich für meine Arbeit stelle, durchlaufen ab dem Moment der Ankunft beim  Kunden unglaubliche Irrwege. Verschwunden im Papierstapel, verschwunden im E-Mail-Fach, falscher Übertrag der Bankleitzahl, verloren gegangen auf dem Weg in die Buchhaltung, versehentlich die alte Kontonummer verwendet und das Geld in den Orkus eines aufgelösten Kontos geschickt.

Das ist ein ganz typisches 3er-Symptom.

Und weil gerade wir so wahnsinnig gern fehlerlos („perfekt“, „normal“, „unauffällig“) wären, schämen wir uns dafür furchtbar. Und machen noch mehr Fehler. Tun so als wär nichts, verfallen in Perfektionismus, vergraben und verstecken uns – alles nur, um der Welt eine perfekte Fassade zu präsentieren.

Lieber 3er: vergesst es. Es merkt sowieso jeder. Kommt raus aus euren Löchern und macht euren Job. Der ist nämlich wichtig für die Welt: nur durch Menschen wie uns können Systeme verbessert werden, können Orte sicherer werden, Abläufe klarer und die viel dickeren Fehler der Zukunft vermieden werden.

Besser, man bricht gleich bei der Besichtigung mit dem Fuß durchs Parkett, als dass Jahre später die komplette Sofalandschaft samt Tante Trude runter zu den Nachbarn einen Stock tiefer fällt.

Besser, man lernt, zu akzeptieren wie es ist, als ein Leben lang dagegen anzukämpfen.

Und:

Auf ihre ganz Art sind diese ungewollten „Fehler“ irrsinnig komisch. Die Geschichten selbst haben einen unglaublichen Unterhaltungswert – solang man sie nicht persönlich nimmt.

Kinder können damit viel besser umgehen, besonders wenn sie Computerspiele spielen. Wenn ein Weg in die Irre führt, probieren sie so lange weiter, bis es geht. „Bugs“ im System zu finden, ist sogar ein Beruf (den ich mehrfach ernsthaft in Erwägung gezogen habe).

Innovationsprozesse von Firmen, die technologische Spitzenprodukte liefern, kommen ohne Fehler keinen Schritt weiter. Erst durch Fehler können Lücken und Probleme aufgedeckt und Lösungen entwickelt werden. Diese relativ neuen Prozesse des Fehler-Machens haben schicke Namen und werden in Büchern und auf Vorträgen vorgestellt. Für uns 3er ein Kinderspiel! Das können wir automatisch und ohne uns weiter anzustrengen.

Fühlt sich immer noch doof an?

Mein Tipp: Ausprobieren. Lachen. Sich annehmen. Ganz genau so, wie man ist.

Gefangen im Stamm

Kommt dir das bekannt vor? Es gibt Menschen, die du in deinem Leben hast, mit denen es nicht mehr schön ist, keinen Sinn macht, das Zusammensein in Arbeit ausartet – was auch immer. Im Grunde ist es Zeit, sich zu verabschieden, aber es will dir irgendwie nicht gelingen.

Dann bist du wahrscheinlich „stammesdefiniert“. Dein Stamm, das kann deine Familie sein, enge Freunde, Kollegen/Partner – es spielt keine Rolle, ob du mit ihnen verwandt bist, lebst oder arbeitest. Diese Menschen, die du zu deinem Stamm zählst, für die bist du da. Du fühlst dich verantwortlich für sie, und zwar bedingungslos. Du denkst als Stammesmensch meistens im „wir“, und das ist Teil deiner Kraft.

So erkennst du die Stammesdefinition im Chart:

Vom Dreieck (Herz/Ego) aus in 3 Richtungen: 45/21, 44/26 und 40/37. Und rechts und links vom Sakralzentrum (Quadrat unten Mitte): 50/27, 59/6. Komplette oder auch nur halbe Verbindungen in diesen Kanälen machen dich schon zum Stammes – oder Familienmensch.

Stammesdefinierte Menschen sind extrem loyal – wer einmal zum Stamm gehört, der bleibt. Das ist immer dann schwierig, wenn sich dein Leben verändert. Denn der Stamm muss sich mitverändern, sonst ist für das Neue kein Platz.

Es wird also immer wieder Leute geben, die du aus deinem Stamm entlassen musst. Diese Entscheidung liegt ganz allein an dir. Manchmal merkt man erst beim genauen Hinschauen, wer eigentlich alles im eigenen Stamm ist. Oft sind es Mitarbeiter oder sogar Kunden, die dort eigentlich nichts zu suchen haben. Manchmal ist es eine Partnerschaft, die schon lange nicht mehr funktioniert, oder Freunde aus der Kindheit, mit denen man sich nichts mehr zu sagen hat.

Wichtig ist, zu schauen: Für wen will und muss ich wirklich da sein? Für wen hätte ich nie da sein müssen, hab es mir aber eingebildet? Wen kann ich jetzt ganz liebevoll in seine eigene Verantwortung entlassen?

Im Grunde sind all diese Stammesverbindungen freiwillig – mit Ausnahme der eigenen Kinder. Alle anderen Menschen können auf sich selbst aufpassen und ihr Leben selbst auf die Reihe kriegen. Meist können sie das sogar besser, wenn du es ihnen nicht mehr abnimmst. Das, was man als Stammesmensch macht, ist, sich die Sehnsucht nach einer richtig großen Familie zu erfüllen, und dann in die Rolle als Stammes-Vater oder -Mutter zu gehen. Auch das ist in Ordnung, solange dir klar ist, für wen du wirklich so bedingungslos da sein kannst und willst. Manchmal muss man den Stamm erstmal drastisch reduzieren, um dann zu schauen: wer gehört wirklich rein in meinen Stamm?

Menschen aus dem Stamm zu verabschieden, ist immer schmerzhaft. Man bildet sich ein, man würde sie im Stich lassen, ein Versprechen brechen, die Loyalität verraten. Aber so ist es nicht: die meisten Menschen sind – selbst wenn es sie vielleicht erstmal erstaunt oder verletzt – froh, wenn es klare Grenzen und Zuständigkeiten gibt. Sie kommen besser in ihre eigene Kraft und können sich dann wieder auf Augenhöhe mit dir verbinden.

Für dich bedeutet es: viel weniger Stress. Weniger Anforderungen, weniger Verpflichtungen, weniger Aufopferung. Dafür mehr Freiheit, mehr Freude und Frieden. Und eine besondere Qualität in den Verbindungen, für die du dich entschieden hast: man kann einander einfach alles sagen, man mag sich bedingungslos, man kann sich aufeinander verlassen. Denn jeder übernimmt seine eigenen Verantwortlichkeiten selbst und lädt nichts beim anderen ab. Es gibt keine gegenseitigen Abhängigkeiten sondern echte Transparenz und wirklich freiwillige Verbindung.

*****

Manche Menschen spüren ihren eigenen Stammes-Aspekt erst dann richtig, wenn sie mit anderen Menschen zusammen sind. Das sind all diejenigen, die nur „halbe“ Kanäle als Stammesdefinition haben, keine durchgehenden Linien. Ganz besonders, wenn die angrenzenden Zentren (die geometrischen Felder) offen, also weiß sind. Im oberen Beispiel: Tor 6 (unten rechts).

Wenn dein Chart so aussieht, dann aktivieren andere Menschen den Stammes-Teil in dir.

D.h. wenn du allein bist, geht es bei dir um ganz andere Sachen, z.B. um Ideen, persönliches Wachstum, Rückschau oder deine Individualität. Und dann kommst du in eine Gruppe Menschen, z.B. bei der Arbeit, einer Party, selbst im Restaurant –  und *schwupp* bist du der Stammes-Papi bzw. die -Mami.

Das kann man nicht abschalten. Aber man kann es sehr bewusst leben. Am besten erstmal mit ganz wenigen, ganz ausgesuchten Menschen. Um zu sehen, wie sich ein „guter“ Stamm anfühlt. Von da aus kann man dann Stück für Stück (Mensch für Mensch) ausprobieren, welche anderen Menschen gut zu deiner Qualität passen.

Aufs Herz hören

Normal, was ist das eigentlich?

Manche würden sagen: normal ist gut. Andere: normal ist langweilig. Und wieder andere sehen es als größtes Ziel, nicht normal zu werden. Man könnte statt „normal <-> verrückt“ auch „richtig <-> falsch“ sagen.

Eins der größten Geschenke, das Human Design machen kann, ist zu sehen, dass wir alle „anders“ sind. Es gibt überhaupt kein „normal“ oder „richtig“. Was für eine Erleichterung! Weder muss man sich weiter selbst bestrafen, weil man nicht ins Raster passt, noch gegen das Normalsein ankämpfen. Es gibt keine Spinner, einfach weil wir alle verrückt (falsch) sind. Oder alle normal (richtig).

Damit fängt der eigentliche Job an: definiere dein eigenes Wertesystem!

Was ist es, das dein Herz berührt, schon immer, und immer wieder? Wohin fällt deine Liebe? Womit kannst du einfach nicht aufhören, dich zu beschäftigen? Ist es romantische Liebe, oder sind es Abenteuer? Sind es Kinder, oder Bedürftige, denen du gern hilfst? Ist es die Natur, die Kunst oder die Technik? Egal, was es ist, oder wie viel Misserfolge oder Kummer du damit schon hast einstecken müssen – hier liegt deine Essenz.

Misserfolge bedeuten nicht, dass deine Liebe falsch ist. Sondern dass in dir ein Konflikt herrscht zwischen dem Herz und dem, was du glaubst, tun oder sein zu müssen.

Weg damit! Frag dich lieber: was ist meine Sehnsucht? Wofür fließt meine Liebe?

Generator: welche Beschäftigung ist befriedigend?

Manifestierender Generator: was ist meine Spezialität?

Projektor: was ist einladend und absolut köstlich?

Manifestor: was will ich bewirken?

Reflektor: was lasse ich am liebsten geschehen und beobachte die Unterschiede?

Wer immer du bist, und was immer du tust: trau dich, deine tiefste innere Sehnsucht zu sehen und zu benennen.

Ab jetzt ist „normal“ und „richtig“, was dich darin unterstützt. Und „verrückt“ oder „falsch“, was dich davon abhält.

Willkommen in der Zukunft!

Wir bewegen uns auf neue Zeiten zu. Dabei kracht es ordentlich – politisch, finanziell, menschlich. Alte Werte erweisen sich als überholt, neue sind dabei, sich zu entwickeln. Was genau daraus entstehen wird, weiß momentan niemand.

Jeder Human Design Typ hat eine andere Herausforderung. Und darüber hinaus ändern nicht nur wir selbst uns, wir müssen auch damit klarkommen, dass die anderen sich wandeln. In einem System, das sich scheinbar gerade selbst auf den Kopf stellt.

Um es in Human Design Terminologie zu beschreiben:

Früher war es ziemlich einfach: Chefs, Könige, Lehnsherren waren mächtig und konnten allein über viele andere bestimmen – das waren meist Manifestoren. Ihnen untergeordnet waren abhängige, produktive und gehorsame Generatoren. Projektoren hatten die Wahl: sie konnten entweder beim fleißigen Bienenvolk mitmachen, oder sich als eine Art unabhängige Berater an die Seite des Königs stellen.  Und Reflektoren waren außerhalb der Gesellschaft agierend, zum Beispiel als Seher oder Geschichtenerzähler – wenn sie nicht das Pech hatten, als schwarze Schafe ausgegrenzt zu werden.

Im Grunde war das Leben ganz einfach: es gab die Mächtigen und die, die ihnen untergeordnet waren. Fürs Überleben war es wichtig, sich anzupassen und zu gehorchen. Als besonders positive  Eigenschaften galten Fleiß, Produktivität und die Bereitschaft, Aufgaben auszuführen, die „von oben“ kommen. Man musste aber zumindest „so tun als ob“. Alles andere führte zu Ärger, Strafe, Kündigung – dem Entzug der Lebensgrundlage. Durch die industrielle Revolution sind diese Eigenschaften auch ins Arbeitsleben übergegangen.

Dass diese Zeiten vorbei sind, ist längst klar. Diktaturen werden gestürzt, selbst in Demokratien kann der Präsident nicht mehr machen, was er will. Er wird beobachtet und im schlimmsten Fall abgesetzt. Neue Strukturen entwickeln sich in Firmen, die auf Nachhaltigkeit und Kooperation setzen.

Das ist irritierend für die „Herrscher“ alter Schule (von denen auch noch heute viele in Vorstandsetagen und Ministerien sitzen). Ihre Entscheidungen werden in Frage gestellt, selbst die Notwendigkeit ihrer Position ist nicht mehr automatisch gegeben. Wenn sie aber nicht mehr bestimmen, was ist dann ihre Aufgabe?

Auch diejenigen, die immer streng weisungsgebunden gelebt und gearbeitet haben, ist das irritierend. Denn sie werden unabdingbar in die Eigenverantwortung genommen. „Die da oben“ sind nicht mehr schuld. Sie selbst haben es in der Hand, ihr Leben zu gestalten, und dafür gibt es scheinbar eine unendliche Menge an Möglichkeiten. Und keine echten Maßstäbe, nach denen man wüsste, welche  Entscheidung richtig ist. Denn auch das Modell „Eigenheim, Festanstellung, Rente“ fällt in das alte System und bietet als Lebensziel längst keine Sicherheit mehr.

Human Design kann dabei helfen, neue Strukturen zu beschreiben. Sie bestehen aus produktiven Generator-Projektor-Teams, Manifestoren, die die Vision liefern und Reflektoren, die spüren, wie es dem ganzen System geht.

Die Produktivität von Generatoren ist baut auf ihrer Begeisterungsfähigkeit auf. Nur eine befriedigende Aufgabe machen Generatoren wirklich gut. Die ist natürlich von Mensch zu Mensch unterschiedlich – aber leicht zu merken: immer dann, wenn man als Generator ein „ja“ hat, ist es das Richtige. Dann ist auch die Energie gleich da.

Projektoren sind genau so wichtig fürs Team. Sie spüren, ob die Generator-Motivation noch stimmt und sehen, wo es hakt. Wenn es einladend ist, dann liefern sie dem System ihre speziellen Beitrag und bekommen dafür die Anerkennung, die sie brauchen. Ein ideales Team besteht aus ca. 4 Generatoren (Umsetzer/Spezialisten) und einem Projektor (Projektleiter).

Während die Teams an der Umsetzung arbeiten, entwickeln Manifestoren als Initiatoren neue Strategien, neue Unternehmen oder neue Möglichkeiten. Durch ihre Distanz zum Team bleiben sie offen für Impulse von außen und haben den Blick aufs große Ganze. Ist das neue System installiert, dann geht es wieder an Generator-Projektor Teams, die für den langfristigen Erfolg sorgen – solange die Aufgabe sie begeistert (Generator), bzw. einladend ist (Projektoren).

Reflektoren sind die ersten, die spüren, wenn es Zeit für eine Veränderung oder Neuausrichtung ist. Sie haben deutliche und feine Antennen für die Befindlichkeiten aller Beteiligten. Geht es ihnen gut, dann geht es auch dem ganzen Unternehmen/der Institution/der Gemeinschaft gut.

Kein Unternehmen hat Verwendung für frustrierte Generatoren, die nicht das tun, was sie begeistert. Oder für verbitterte Projektoren, die sich nicht gesehen fühlen. Oder für zornige Manifestoren, die zu herrschen versuchen, statt zu Neues in die Welt zu bringen.

In dieser neuen Welt sind statt unbedingtem Gehorsam und Fleiß ganz andere Eigenschaften gefragt. Zum Beispiel Eigenverantwortung und Authentizität. Wenn man sich selbst annimmt und seinen ganz individuellen Impulsen folgt, ist man wirklich wertvoll für die Gemeinschaft – egal ob im Privat- oder Arbeitsleben.

Momentan befinden wir uns in einer Übergangsphase.

Während die Generation 70+ (unsere Eltern oder (Ur-) Großeltern) geprägt sind von der alten Zeit, ist es für unsere Kinder wichtig, den neuen Weg zu lernen.

Wir selbst sind genau in der Mitte: wir kennen das Alte, spüren das Neue und versuchen es bereits, umzusetzen – im Job, in der Partnerschaft, im Umgang mit anderen. Kein Wunder, dass es kracht. Unsere eigenen Eltern finden uns vielleicht absonderlich oder rümpfen die Nase, weil sie unsere Art  der Kindererziehung schlecht (oder nonexistent) finden.

Unsere Kinder erleben Konflikte, die sie verwirren: immer dann, wenn alte auf neue Werte treffen. Wenn die Oma Gehorsam, Respekt und Kuscheln-auf-Kommando verlangt. Wenn der Metzger eine Mortadellascheibe verschenken will und nicht die erwartete Reaktion trifft. Wenn Pädagogen von ihren Zöglingen offen in Frage gestellt werden.

Das Beste, was wir tun können, ist uns selbst kennenzulernen und anzunehmen. Und diese Akzeptanz auch unseren Kindern zu geben – selbst, wenn sie uns manchmal total fremd sind. Aber besonders dann brauchen sie unsere Annahme und unsere Unterstützung. Je eher, desto besser!

Split Definition

Heute hatte ich das Gefühl, unbedingt heiraten zu müssen.

Willkommen bei den split definitions. Wir sind Leute, die kein geschlossenes Human Design Chart haben. Das heißt: es sind nicht alle bunten Felder (definierte Zentren) miteinander verbunden. Siehe Beispiel (das bin ich). Zwischen dem braunen Quadrat (Kehle) und dem grünen Dreieck (Verstand) ist eine Lücke, die Verbindung ist nicht geschlossen. Ich habe Tor 43, aber nicht Tor 23 (für die mit guten Augen, das sind die winzigkleinen Zahlen).

Splits (2 getrennte Bereiche), dreifach splits (3 getrennte Bereiche) oder quadruple / vierfach splits (4 getrennte Bereiche) sind ganz kompliziert. Es wohnen mehrere Seelen in ihrer Brust.

Und sie haben die tiefe Sehnsucht, ihr Getrenntsein zu überbrücken. Das geschieht durch andere Leute, die zufällig die richtigen Linien mitbringen – in meinem Fall Tor 23 oder irgendeine vollständige Linie zwischen Kehle und Verstand. Diese Leute müssen nur da sein, nichts tun. Sie merken das aber auch: sie fühlen sich nämlich immer ein bisschen ausgenutzt.

Und wir, die Splits, glauben, ohne diese Leute nicht leben zu können. Immer dann, wenn wir uns nahezu süchtig nach jemandem fühlen, ohne dass das Zusammensein besonders toll wäre, stehen die Chancen gut, dass diese Leute einen Split überbrücken.

Besonders bei Familien ist das ein Thema: wenn die Eltern die Splits der Kinder schließen (oder umgekehrt), dann sind beide miteinander gar nicht wirklich sie selbst. Weil die Kinder es aber von Tag 1 an sind, glauben sie fest daran. Split-Kindern müssen von ihren Eltern die Chance haben, sich auch ohne deren Beisein kennenzulernen und zu spüren. Schönes Beispiel: ein Kind, dass ohne die Mutter nicht mit anderen redet. Wahrscheinlich ein Split in der Verbindung zur Kehle. Mit Mama geht das Reden ganz einfach. Ohne sie ist die Überwindung groß, die Unsicherheit da, es fühlt sich fast unmöglich an (vor allem, wenn man gelernt hat, wie es ganz leicht geht).

Ist man dann groß und die Mama weg, treten andere Leute an ihre Stelle, ohne die es einfach nicht zu gehen scheint.

Mein Überbrücker war nicht Mama, sondern Papa. Der ist blöderweise auch noch irgendwann ausgezogen. Seitdem bin ich auf der Suche nach Vervollständigung, statt mich damit zu beschäftigen, meine beiden Teile kennen- und lieben zu lernen.

Dieses Gefühl kann sich über die Jahre zu einer tiefen Traurigkeit herauswachsen. Weil man immer sucht, ist nie alles wirklich richtig. Weil man nicht weiß, wer man eigentlich ist, sondern einem vergangenen Glücksgefühl nachjagt, das eigentlich nur pure Biochemie war. Was sich aber wirklich schön angefühlt hat (wenn auch, zugegeben, etwas illusorisch-fantastisch-entrückt). Weil man sich so sehr nach einer Person sehnt, die leider gar nicht wirklich gemeint ist. Die, in meinem Fall, einfach den Split überbrückt. Wenn sich 2 Tore schließen wie bei mir 43 und 23, dann ist das auch eine biochemische Reaktion, die man bei Verliebten als „Kribbeln im Bauch“ wahrnimmt. Da sprüht ein Funke. Etwas macht „klack“, etwas wird vollständig, man atmet auf.

Und trotzdem kann diese Sehnsucht jemanden treffen, mit dem man vielleicht keinen geraden Satz reden kann, nichts Gemeinsames teilt, keine Perspektive hat. Für beide ist dieses Zusammentreffen eine Illusion. Vielleicht überbrückt man beim anderen auch einen Split, oder ruft Eigenschaften hervor (=aktiviert Eigenschaften), die nur ganz wenige Menschen aktivieren können.

In jedem Fall macht diese Sucht nicht glücklich. Sie wird nie die Erfüllung bringen, die man ihr zuspricht. Weil man in diesem Moment nicht mehr wirklich ganz und gar man selbst ist.

Gegentest: wie fühle ich mich ganz alleine, ohne diesen Menschen? Ganz anders, irgendwie leer, traurig, sehnsüchtig, unvollständig, unfähig? Aha! Dann geht es nicht darum, die Symbiose möglichst schnell wieder herzustellen, sondern sich mit seinem Getrenntsein zu versöhnen.

Konkret: jede Entscheidung muss vor 2 (oder 3 oder 4) Instanzen bestehen. Bist du zufrieden, Kopf? OK. Bist du zufrieden, Intuition, Willen, Kehle? Prima, dann kann ich es machen.

Es gibt übrigens eine Menge Vorteile.

Ich bin zum Beispiel ein großer Gleichzeitigmacher. Dann agieren beide Bereiche unabhängig voneinander, und das machen sie gern und gut. Autofahren und singen. Schreiben und dabei Musik hören. Belege sortieren und fernsehen. Mehrere Sprachen gleich gut sprechen.

Nachteil: ich kann mich unheimlich schwer für EINE einzige Sache entscheiden.

Besser ist es, die Möglichkeit, beides zu haben, zu erwägen. Einen Job fürs Geld und einen für die Erfüllung. Einen Mann fürs Bett und einen als Gefährten. Einen Ort zum Feiern und einen zum Ausruhen. Und so weiter.

Eine kleine Warnung: man hängt sehr an der Illusion der Ganzheit. Es ist nicht gerade lustig, sie gehenzulassen. Aber es lohnt sich, auch für die Umwelt (zur Erinnerung: viele Menschen fühlen sich von Splits ausgenutzt).

Hier kann man nachschauen, ob man ein Split ist:

Viel Spaß dabei!

Hilfe! Mein Kind ist ein Manifestor!

Liebe Projektoren, Generatoren, Manifestierende Generatoren und Reflektoren,

euer Kind ist irgendwie anders als ihr? Es ist anstrengend, willensstark und will bestimmen, wo es lang geht? Immer? Manchmal fühlst du dich, als seist du das Kind und er/sie Elternteil?

Dann habt ihr wahrscheinlich einen kleinen Manifestor auf die Welt gebracht. Davon gibt es nur 8%. Sie sind anders als die anderen (noch MEHR anders als die anderen). Und es hilft ihnen und den Menschen, die für sie sorgen, wenn sie das wissen.

Hier der Test: einfach Geburtsdatum, -zeit und ort eingeben und klicken. Es wird nichts gespeichert, keine Sorge:

***

Im Human Design haben Manifestoren keinen besonders guten Ruf. Das liegt wohl daran, dass sich die berühmtesten Manifestoren des 20. Jahrhunderts ziemlich unbeliebt gemacht haben: Saddam Hussein, George W. Bush, Adolf Hitler,…

(das ist übrigens nicht das, was ich den Kindern als Erstes sagen würde)

Gegenüber Manifestoren entsteht immer eine Art unbewusster Ehrfurcht bis Furcht. Das liegt daran, dass nur sie eine Entscheidung, die in ihrem Kopf entsteht, in die Tat umsetzen können. Im Gegensatz zu den anderen 92% der Bevölkerung – von denen es zwar eingefordert wird, die aber so nicht funktionieren. Sie brauchen einen Impuls oder eine Einladung, auf die sie RE-agieren können.

Manifestoren brauchen das nicht. Außerdem kann man schwer spüren, was in ihnen vorgeht. Man ist auf Kommunikation angewiesen.

Originalzitat aus einem Geschäftsmeeting: „Wohin gehst du?“ „Nur aufs Klo.“ „Gut. Wir wollten nur sichergehen, dass du keinen Weltkrieg anzettelst.“

Es gibt verschiedene Arten von Manifestoren: emotionale (= können besonders anstrengend sein), intuitive (=sehr schnell) und Ego-Manifestoren (=leben zu 100% ihr eigenes Leben). Aber im Wesentlichen haben sie alle gemein, dass sie im Grunde selbst entscheiden (können). Das fängt schon bei Babies an. Sie wissen genau, wann sie wozu in der Lage sind. Und tun es dann einfach. Aber keinen Moment früher.

Wenn ein Kind aus lauter Wut sagt „ich ziehe aus“, und man glaubt, es sei dazu wirklich in der Lage (auch mit 6 Jahren), dann ist es wahrscheinlich ein Manifestor.

*****

Es ist wichtig zu verstehen, dass die meisten Eltern von Manifestoren selbst keine sind. Es also mit einem Wesen zu tun haben, das anders funktioniert als sie. Das fällt manchen Human Design Typen leichter (Projektoren) und manchen besonders schwer (Manifestierenden Generatoren).

Wichtig ist, anzuerkennen, dass dieses autonome und willensstarke Wesen nicht (mehr) hier ist, um die Weltherrschaft zu übernehmen. Dass es aber einen natürlichen Führungsinstinkt hat. Es ist keine Arbeitsbiene, sondern ein Visionär. Es wird mit einer gleichförmigen Arbeit nicht glücklich werden. Es braucht die Möglichkeit, ein bisschen Pippi Langstrumpf zu spielen, und zwar von Anfang an: „Ich mach mir die Welt wie sie mir gefällt“.

Und es braucht Anleitung, um mit dem Rest der Welt gut klarzukommen. Manifestorenkinder müssen lernen, was ihr Handeln für Konsequenzen hat. Lasst es wissen, wie es euch geht, wenn es eigenhändig die Wohnung ummöbliert oder mal eben allein zum Bäcker geht. Zeigt ihm, dass sein Freund im Kindergarten brüllt oder sich abwendet, wenn er/sie Macht ausübt.

Ein guter Trick ist, ihnen beizubringen, um Erlaubnis zu fragen. Das ist nicht ihr natürlicher Daseinszustand (und fällt ihnen oft schwer), hilft aber, besser in der Welt klarzukommen. Zumindest so lange, bis sie erwachsen und eigenständig sind. Dann ist es besser, sie hören wieder damit auf.

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Manifestoren bringen Leidenschaft für ihre Vision und ihre Idee mit.  Und zwar von Anfang an. Alle sollen (gefälligst) ihr Spiel spielen. Und tun sie das nicht, werden sie zornig.

Als Erwachsene haben viele Manifestoren ihren natürlichen Ausdruck verloren. Meist, weil er einfach zu konfliktträchtig ist. Männliche gehen meist in den emotionalen Rückzug und halten sich raus, weibliche werden oft besonders umgänglich, nett und gefügig. Das ist aber nicht das, wofür sie hier sind. Die Leidenschaft und der Zorn sind der Schlüssel zu ihrer Berufung und zum idealen Einsatz ihrer Energie. Sie müssen zwar lernen, auf die Konsequenzen ihres Handelns zu achten. Ihnen das Handeln abzugewöhnen, beschneidet sie aber in ihrer Kraft. Und das macht sie krank und unglücklich, denn der Zorn, wenn er nicht nach außen darf, wendet sich nach innen und gegen das eigene System.

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Liebe Eltern, liebe Kinder: stellt euch einfach die richtigen Fragen. Zum Beispiel: ist Biene Maja ein Manifestor? Was macht die Manifestor-Sängerin Pink so großartig? Warum kriegt Pippi immer Ärger, und wie kann man damit umgehen?

Im Herzen wollen Manifestoren ihre Liebe ausdrücken. Und ihren Frieden mit der Welt haben. Sie glauben fest an ihre Vision. Und das ist doch eine gute Nachricht, oder?

Human Design Familie Nr. 2

Alles fing ganz super an: Mann trifft Frau, große Liebe, alles gut. Dann wird Frau schwanger, das Kind ist da, und auf einmal ist nichts mehr so, wie es war. Vater und Tochter geht es prima miteinander, beide sind allerdings ziemlich wild, laut und leidenschaftlich. Die Mutter fühlt sich überfordert, ausgegrenzt und unverstanden. Sie fragt sich: Wie konnte das passieren?

Ganz einfach: sie ist emotional offen, ihr Mann definiert. Er kommt allerdings aus einer Familie von emotional offenen („coolen“) Menschen. Dort hat er gelernt, dass emotional sein = schlecht sein bedeutet. Anstrengend, unnötig, unvernünftig, ineffektiv und störend. Er kann also sein Emotionalsein perfekt unterdrücken.

Ankunft Tochter, sie ebenfalls emotional. Für den Vater eine Seelenverwandte, die, ganz Kind, ihren Emotionen ungebremsten Lauf lässt. Und die seine Emotionen nicht im geringsten stören. Im Gegenteil: beide genießen das Feuerwerk, das sie produzieren, in guter wie in schlechter Laune. Zwei emotional definierte Menschen können sich herrlich anbrüllen und nehmen sich nichts übel. Ist die Energie draußen, geht es allen wieder gut.

Für die emotional offene Mutter ist diese plötzliche Emotionalität anstrengend und überfordernd, denn für sie fühlen sich die Emotionen an, als wären sie ihre Schuld. Gleichzeitig sind sie völlig unvorhersehbar. Sie bringen sie aus der Ruhe und rauben ihr die Nerven. Wie gewohnt, versucht sie, Mann und Kind zur Vernunft zu diskutieren und mit rationalen Argumenten zu bändigen. Das gibt natürlich nur noch mehr Krach.

Mittlerweile weiß sie, dass ihr Mann jetzt glücklich ist, weil er seine Emotionen spüren und laufen lassen kann. Sie weiß, dass sie dieses Bedürfnis selbst nicht kennt, dafür aber Pausen von den Emotionen der anderen braucht. Dafür nimmt sie sich jetzt Raum, wann immer es ihr zu bunt wird. Jeder darf sein, wie er/sie ist, und das ist für alle gut.

 

Human Design Familie Nr. 1

Der Fairness halber starte ich mit meiner eigenen. Bei uns gibt es 3 Generatoren (Vater, Mutter, jüngste Tochter) und 2 Manifestoren (meine Schwester und ich). Und alle, bis auf mich, sind emotional definiert. Aber wenn man meine Eltern fragt, dann bin immer ich die Hysterische gewesen. Wer ist die emotionalste von allen? Na, Anka, hieß es.

Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, was da los war. Und dabei hat mir meine Schwester geholfen, die ich lange Zeit überhaupt nicht verstehen konnte – es hat sich angefühlt, als seien wir von unterschiedlichen Planeten. Ich war mir sicher, dass unsere Human Design Charts sich vollkommen voneinander unterscheiden müssten. Aber das Gegenteil war der Fall. Sie Manifestor, ich Manifestor. Aber: sie emotional definiert, ich offen.

Mit anderen Worten: von allen in der Familie verstehe ich sie im Grunde am besten, weil wir uns am ähnlichsten sind. Bis auf die Kleinigkeit unserer Emotionalität. Die aber hat das Gemeinsame so sehr überlagert, dass wir nicht zueinander finden konnten. Und das lag daran, dass ich ihre Emotionen als meine wahrgenommen habe. Und versucht habe, eine Lösung für schlechte Gefühle zu finden. Aber erstens waren es nicht meine Gefühle, sondern ihre, und zweitens sind es bei ihr Stimmungen, einfach so, grundlos, einer Wellenbewegung. Sie haben und brauchen keine Gründe und vor allem keine Lösung.

Heute ist genau diese Schwester mir sehr nah. Seit ich weiß, dass ihre Emotionen überhaupt nicht persönlich sind, sondern nur sowas wie das “Wetter” ihrer jeweiligen Stimmung, verstehen wir uns blendend. Ich bin auch nicht mehr die Emotionale unserer Familie. Stattdessen bin ich diejenige, die spürt, welche unausgedrückten Emotionen in der Luft liegen. Und sie aussprechen kann.

Also, ihr da draußen, wenn ihr A) Konflikte vermeidet und es allen recht machen wollt, oder B) immer wieder aus heiterem Himmel zum Emotions-Ventil für alle anderen werdet, die so tun, als seien sie die vernünftigsten und rationalsten Menschen auf der Welt (“Was hast du denn bloß? Mach doch nicht so ein Drama!”), dann seid ihr “cool”. Emotional offen. Unbeteiligt. Stimmungsschwankungsfrei. Und eigentlich diejenigen, die sich Emotionen ganz entspannt von außen anschauen und genießen können.

Einfacher Test: Wie geht es euch allein zuhaus, im Wald, draußen in der Natur, wenn es gerade nichts gibt, worüber ihr euch aufregt? Neutral? Dann seid ihr emotional offen. Ihr wollt Leidenschaft? Begebt euch unter Leute, geht in die Stadt, ins Café. Die Hälfte aller Menschen ist emotional, und diese emotionale Energie ist überall dort, wo es Menschen gibt. Genießt sie, surft auf der Welle, lasst euch mitreißen….und nehmt es nicht persönlich. Und vor allem: macht euch immer wieder frei davon, seid allein, lasst die Emotionen abfließen und seid wieder ganz ihr selbst.